Ruhe
Sobald man ein paar Tage schulfrei hat, wird das Leben wieder normal. Ich stehe auf, wenn ich ausgeschlafen bin, ich esse, wenn ich Hunger habe, ich beschäftige mich mit den Dingen, die mich wirklich interessieren. Am Nachmittag kommt Theo vorbei. Wir reden über den Blog und er fragt mich, warum ich immer so mies drauf bin, wenn ich blogge, er wusste gar nicht, dass ich so viele Probleme habe. Ach ja, Theo liest das ja hier. Ehrlich gesagt vergesse ich, wer die Sachen hier mit bekommt. Und manchmal will ich die Sachen, zum Beispiel über meine Eltern, einfach aus meinem Kopf raus haben. Sobald sie hier stehen, sind sie wie in Folie eingeschweißt und machen mich nicht mehr so fertig.
Und er fragt, warum ich so wenig über ihn blogge. Tja, wir haben eben keine Probleme miteinander, Kumpel.
Er fragt mich, ob mir aufgefallen wäre, dass er mich nicht mehr Porno nennt. Offen gestanden nicht, aber wenn ich darüber nachdenke, dann stimmt es. Theo meint, es hätte ihn viel Mühe gekostet, sein Gehirn umzuprogrammieren und falls ich jetzt nicht Paul, sondern irgendwie anders genannt werden wollte, sollte ich ihm das gleich sagen. Im Übrigen bedauere er, dass ich den coolsten Spitznamen der ganzen Schule aufgeben wolle, jeder würde mich allein wegen diesem Spitznamen kennen und Paul wäre einfach nur Durchschnitt.
Ich bin lieber Durchschnitt als Porno. Welches Mädchen möchte mit einem Typen gehen, der Porno heißt? Als das losging habe ich mir keine so weit reichenden Gedanken gemacht, da war es nur lustig. Aber jetzt komme ich in das Alter, in dem man Verantwortung für sein Leben übernimmt. Theo lacht sich schlapp. „Was soll das denn für ein Alter sein? Die meisten Erwachsenen haben das doch nicht drauf. Heiraten, lassen sich scheiden, machen ihre Kinder unglücklich, verlieren den Job, gehen pleite…“ OKAY! Aber sollte man es nicht wenigstens versuchen?!