Hello and Goodby

Paul am 15. September 2009 um 9:53 am

Okay, wo soll ich anfangen? Gleich zum wichtigsten:
Ich werde aufhören.
Aufhören zu bloggen, also mit diesem Blog.
Tja, seltsam. Eine Weile konnte ich mir nicht vorstellen aufzuhören, aber jetzt fühle ich mich richtig gut dabei.
Nach fast zwei Jahren an meinem Zehn-Punkte-Projekt, was irgendwie zwischen zeitlich vollkommen unwichtig geworden ist, stelle ich fest, dass sich, bis auf einen Punkt, doch auf seltsame Weise alles erfüllt hat, was ich mir vorgenommen oder gewünscht habe.
Also:
- Diesen Spitznamen werde ich vermutlich nie loswerden, er wird mich wohl ewig verfolgen. Wenn ich die alten Kumpels aus der Schule treffen, wenn ich mich an früher erinnere oder die Anfänge dieses Blogs. Aber irgendwie bin ich ihn doch losgeworden, weil die Schule vorbei ist, weil ich meine Freunde darum gebeten habe, mich Paul zu nennen, weil ich diesen Blog umbenannt habe. Mehr kann man nicht tun, der Rest ist, nun, Karma.
- Den Motorradführerschein habe ich, wenn auch noch kein Moped. Ich bin aber jetzt auf stand-by, also ein Riesenfortschritt.
- Einen Toten – habe ich glücklicher Weise noch nicht live gesehen. Ich denke, da kann ich ganz gut noch eine Weile drauf verzichten. Was vielleicht viel wichtiger ist, ich habe mir Gedanken über den Tod gemacht und dann denkt man über das Leben nach und unweigerlich fängt man an, es zu verbessern. So ging es mir jedenfalls. Wenn dieser Punkt sich also nicht erfüllt hat, dann doch alles, was ich mir wahrscheinlich davon erhofft habe.
- xxx kein Kommentar.
- Yeah! Aber davon erzählte ich euch gleich.
- Bizeps. Jep. Ich war im Sommer wieder Klettern und ich kann euch nur empfehlen, wenn ihr richtig gute Oberarmmukis haben wollt, dann macht das, denn das sieht tausendmal besser aus, als das, was nach Hanteltraining im Studio herauskommt. Vielleicht bilde ich es mir ja auch nur ein, aber ich finde man sieht, ob Muskeln durch irgendeinen Sport oder nur durch Gerätetraining entstanden sind. Na ja, dazu kommt, dass ich auch ziemlich braun geworden bin und mich von einem käsigen Städter in etwas verwandelt habe, was Feli ziemlich gut gefällt. Also, was will ich mehr?
-Tja, Moby Dick. Ich muss gestehen, dass ich die letzten Kapitel nicht gelesen habe. Vielleicht werde ich sie nie lesen, vielleicht in zehn oder zwanzig Jahren noch mal, wenn ich das alles besser verstehe mit der Rache und dem weißen Wal und der Jagd auf Tiere aber vielleicht auch nicht. Egal. Jedenfalls war es eine gute Zeit mit dem Buch und die Arbeit hat auch Spaß gemacht und meiner Deutschnote hat die Sache auch genützt.

Ich finde also, ich kann mit der Ausbeute ganz zufrieden sein. Das aus „am besten sofort“ dann schließlich zwei Jahre geworden sind, ist zwar etwas schockierend, bereitet mich vielleicht aber auf das vor, was da noch alles kommt im Leben. Offenbar ist Zeit eine sehr relative Sache, denn mir kamen die zwei Jahre überhaupt nicht lang vor.

Und das wär´s dann. Bitte keine Tränen.

Aber ja… ich schulde euch noch eine Erklärung. Dass sie sehr knapp ausfällt, hängt mit einem Versprechen zusammen. Seit ich mit Feli zusammen bin (wow, ich hätte nie gedacht, dass mich das so umhauen könnte!) hat sich eine Menge in meinem Gefühlsleben geändert. Eigentlich möchte ich es die ganze Zeit in die Welt herausschreien, aber Feli hat mir gleich am Anfang unserer Beziehung erklärt, dass sie uns nur eine Chance gibt, wenn ich aufhöre, weiter mein Privatleben ins Netz zu stellen, jede meiner Gefühlsregungen zu bloggen.
*räusper*
Was ist schon privat?
Aber - schon klar. Sie brauchte mir die negativen Beispiele von Britney Spears über
Sarah O´Conner gar nicht aufzuzählen, ich habe das schon verstanden. Also, Freunde, ab sofort ist mein Leben ein verschlossenes Buch, jedenfalls mein Privatleben.

Ciao, macht´s gut, war eine tolle Zeit mit euch!

Paul

P.S.: Aber ist doch interessant, dass Feli und ich wohl nie zusammengekommen wären, wenn sie meinen Blog nicht von Anfang an gelesen hätte. Wobei… ich darf gar nicht länger darüber nachdenken…
(Und, Theo, dich lünche ich bei Gelegenheit!).

Geschafft

Paul am 3. July 2009 um 1:06 pm

Morgen bekommen wir die Abiturzeugnisse. Ich weiß, ist ja vielleicht gar nicht mal so wichtig, eher, dass man es geschafft hat, aber wenn ich dieses Papier nach Hause genommen habe, dann wird es mir besser gehen. Mein Vater kommt sogar her.
Das größere Ereignis war allerdings, dass ich meinen Motorradführerschein gemacht habe. Yeah.
Irgendwie erwarte ich jetzt ein Moped als Abigeschenk. Ich meine, das wäre doch mal was. Mache ich mich schon zum Affen, vor lauter Andeutungen, wie SINNVOLL und einfach nur geil das wäre. Na ja, ich denke das ist angekommen und nun geht die Finanzplanung los. Habe angeboten mich mit 500 Euro zu beteiligen. Kann gebraucht sein. Helm bekomme ich von Theos Bruder.

Aber erstmal will ich dieses Zeugnis haben. An der Schule ist ein festlicher Akt geplant, dann der Schulball.
Meine Mutter wollte mir sogar einen Anzug kaufen, ich fasse es nicht. Jacket und so. Das konnte ich verhindern. Ich habe gesagt, es wäre so heiß, ich meine richtig heiß, ich würde sagen brütend heiß, dass ich in Badehose gehen würde. Hat sie hat es mir echt geglaubt, was mich auf die Idee bringt, das wir das tatsächlich alle so machen. Alle Abiturienten in Badesachen. Das würde im Gedächtnis bleiben, hey, die Idee begeistert mich, das muss ich mit Theo besprechen.
Heute Abend treffe ich mich mit Feli und Theo und seiner neuen Freundin. Er hat eine Freundin, der Verräter! Noch nicht mal von der Schule. Ich bin gespannt, wie sie aussieht. (Was mich noch neidischer machen würde). Er sagt, sie wäre nett und hätte Humor und ich frage mich, warum er nicht sagt, dass sie toll aussieht.
Wir feiern den letzten Tag Verbundenheit mit Schule oder besser gesagt: die neue Freiheit.
Ich denke jetzt mal nicht an den Bund und diese Musterung und all das. Sondern die Bildungsfreiheit. Ich kann jetzt verblöden, nur noch Fernsehen und vor dem Computer hocken oder der intelligenteste Mensch der Welt werden. Alles offen. Yeah!

Abitur

Paul am 21. May 2009 um 4:48 pm

Ich hätte nie gedacht, dass es ein solcher Stress ist. Anfang Mai die Klausuren, nächste Woche mündliches Abi. Ich bin ein Nervenbündel. Nachts träume ich davon, tagsüber stelle ich mir vor, dass ich in der Mündlichen nichts rausbekomme, einfach stumm da stehe und durchfalle. Es ist absolut lächerlich, ich weiß, aber ALLE hängen diese Sache so hoch… Nur Feli ist locker, ich frage mich, ob sie irgendwelche Tabletten nimmt, ich weiß, dass ziemlich viele mit Chemie unterwegs sind. Einer aus dem PW-Kurs hat seiner Mutter ein paar von deren Nervenpillen geklaut. Er meinte, die fahren einen so runter, da kann nichts schief gehen. In der Klausur ist er fast eingeschlafen, alles war ihm gleichgültig und er kann sich nicht erinnern, was er geschrieben hat. Vielleicht gar nichts. Nee, das ist mir zu riskant. Ich stelle mir vor, ich muss dieses, dieses bestimmte, total verrückte Schuljahr wiederholen! Unmöglich.
Theo hat erzählt, die Lehrer kriegen die Abithemen schon am Freitag, wenn Montag die Klausur ist. Ich stelle mir vor, die WISSEN was dran kommt. Plaudern sie es ihren Kindern aus, falls die gerade im Abitur sind? Ich glaube, ich würde das machen. Das ist schließlich kein Hochverrat sondern nur SCHULE.
So langsam vergisst man das in all dem Stress.

Paris und die Katakomben

Paul am 29. April 2009 um 5:05 pm

Der Frühling hat mich überrascht. Ich habe das Gefühl, dass es noch nie so schnell gegangen ist und schon laufen die Leute in T-Shirts und Shorts rum und man stellt sich schon wieder die Frage, ob man sich endlich mal entschließen sollte, diese Flipflops zu tragen oder ob die einfach zu weibisch sind und man daher besser in seinen Turnschuhen schwitzt und Schweißfüße produziert, was vielleicht männlicher ist aber nicht unbedingt angenehmer.
Paris war geil.
Jedenfalls nachdem ich mich für den Stadturlaub und gegen Bleau und das Bouldern entschieden hatte, was mir am Anfang schwer gefallen ist und obwohl die Stadt so voll von Touristen war (und ich habe einfach mal nicht dazu gezählt, schließlich war ich mit meinem Vater unterwegs und der lebt schließlich dort) und man nirgendwo hingehen konnte, wo eine Sehenswürdigkeit stand, ohne zwei Japaner zu zertreten. Ein paar Sachen wollte ich aber sehen.
Zum Beispiel die Katakomben.ielleicht war es ja auch meine morbide Ader und mittlerweile glaube ich wirklich, dass da etwas nicht mit mir stimmt, was interessiert mich denn am Tod so? Andererseits: Schließlich ist es das einzige, was wir definitiv alle erleben werden, also… Es mussten also die Katakomben sein.
Mein Vater protestierte als klar war, dass wir zwei Stunden in der Schlange stehen mussten aber ich habe mich durchgesetzt. Trotz Nieselregen und dem Gefühl, nun doch ein dämlicher Tourist geworden zu sein, der tatsächlich nichts besseres zu tun hat, als zwei Stunden für eine Sache anzustehen, von der er keine genauen Vorstellungen hat. Als wir dann endlich dran kamen und die Stufen hinunter in die Unterwelt von Paris stiegen, da hatte ich im ersten Augenblick das Gefühl, das es eine ziemliche Schummelpackung wird. In Stein gehauene Gänge entlangzulaufen ist zwar interessant aber nicht unbedingt wert, dass man dafür zwei Stunden ansteht. Aber dann kamen die ersten interessanten Sachen. Kunstwerke, die die Leute vor 300 Jahren in den Stein gehauen hatten.
Irre.
Und danach: Die Toten.
Offenbar haben sämtliche Friedhöfe irgendwann einmal beschlossen, dass sie Platz brauchen und die Knochen der Toten ausgegraben um sie dann in den Katakomben zu lagern. Man durfte nicht mit Blitz fotografieren um die Ruhe der Toten nicht zu stören oder was auch immer, denn obwohl nur immer 140 Leute unter die Erde durften, war es doch entsprechend voll da unten. Keine Ruhe. Seltsame Stimmung.
Die Arm und Beinknochen waren seitlich aufgeschichtet. Richtig kunstvoll. Dazwischen lagen die Totenköpfe. Ich weiß nicht, was sie mit den Beckenknochen, dem Rückgrat oder den Rippen gemacht haben, aber da unten gab es nur Arm und Beinknochen und Schädel. Das hebt man wohl auf. Dazwischen Gedenktafeln und kleine Steinaltäre, Sitzgelegenheiten und immer wieder eine Art Wärter auf einem Plastikstuhl, der aufpasste, dass man auch ja kein Foto mit Blitz schoss. Erst war ich nur leicht beeindruckt aber als wir etwa 10 Minuten lang in diesem engen Gang an kopfhoch aufgetürmten Knochenbergen vorbeigegangen waren, wurde mir schon etwas komisch. Ich habe Theo davon erzählt und er ist voll abgegangen, aber er hat nicht ganz verstanden, was ich meinte: Man ist da unten wirklich sehr nah an dem Gefühl dran, dass man da auch bald liegen wird, und Touristen Handyfotos von einem schießen. Dass man hier auf der Erde nur mal kurz vorbeischaut, weil es verdammt schnell mit dem Leben zu Ende ist.
Auf jeden Fall war ich froh, als wir wieder oben waren und es frische Luft zu atmen gab und wir Crepes essen gegangen sind und das Leben wieder da war. Und es war seltsam, das mit meinem Vater zu erleben.
Irgendwie richtig gut.

Paris again…

Paul am 2. April 2009 um 4:27 pm

Ich habe gelesen, dass ein Amokläufer in ein Altenheim gerannt ist und dort Leute umgelegt hat. Unheimlich. Gerade habe ich mir Gedanken darüber gemacht und schon passiert es.
Echt gruselig.
Das zeigt allerdings, dass es diesen Spinnern offenbar vollkommen egal ist, wen sie umbringen. Sie rennen einfach irgendwo rein und ballern rum.
Theo hat mir erzählt, dass einige Eltern der Opfer sich zusammengetan haben und an die Presse und die Waffenindustrie appelliert haben. Das Photo des Attentäters soll nicht mehr gezeigt werden, damit er nicht heroisiert werden kann, Nachahmer kommen. Yeah, das finde ich gut.

Ostern fahre ich wieder zu meinem Vater nach Paris. Als ich es Feli erzähle, ist sie vollkommen begeistert, sie will in Paris studieren (wusste ich gar nicht) und ich soll mir unbedingt die „Mona Lisa“ ansehen und ihr berichten, ob das tatsächlich so ein grandioses Bild ist. Ich denke, es wird meinen Vater begeistern, wenn ich vorschlage, dass wir in den Louvre gehen könnten. Seine Freundin ist jedenfalls nicht da, sie macht Urlaub mit ihren Kindern (oh – mein –Gott, sie hat selber Kinder… ich will da überhaupt nicht drüber nachdenken!).
Feli war noch nie in Paris und ich erzähle ihr die paar Dinge, die mir vom letzten Besuch in Erinnerung geblieben sind. Enge, kleine Straßen, Restaurants in denen es Weinbergschnecken gibt, riesige Parks, die aussehen, als ob Marie Antoinette einem gleich entgegenkommen könnte, fette Gebäude, Theater und den Eiffelturm – aus der Ferne. Ich kann weder bestätigen, dass die Pariser besonders chic sind, noch dass sich an jeder Ecke jemand küsst. Alles Clichés (wie schreibt man das?). Ich kann aber eindeutig sagen, dass man auf Englisch noch nicht mal einen Kaffee bestellen kann, weil die Franzosen, was ihre Sprache angeht unglaublich arrogant sind.
Also der Louvre.

Dann reden wir über Bauer und alle sind erstaunt, dass ich überhaupt noch ins Altenheim gehe (jetzt, wo ich sogar einen Toten gesehen habe). Da zeigt sich eben meine zuverlässige, treue Ader. Ich erzähle Feli, dass ich ihren Bruder getroffen habe und frage sie, ob ihr Bruder eine Freundin hat und sie guckt mich an, als wäre ich schwul. Als mir klar wird, dass sie da gerade was falsch versteht, werde ich auch noch rot. Theo lacht sich schlapp darüber und am Ende habe ich die Sache noch nicht mal geklärt. (Oder bin ich vielleicht schwul? Das hat mir ja gerade noch gefehlt, ich finde diese Beziehungssachen sind so schon schwer genug) Theo fährt voll auf das Thema ab. Er und Max suchen den idealen Partner für mich. Aber - hej – warum suchen sie immer große muskulöse Typen für mich aus? Als es mich anfängt zu nerven, sage ich: „Warum denn in die Ferne schweifen, Theo, wie wär´s denn mit uns beiden?“ Da kriegt er echt für einen Moment Schiss und findet, wir sollten besser das Thema wechseln. Jep!

Final Fantasy VII

Paul am 17. March 2009 um 4:08 pm

Was ist denn das? Es kann doch nicht sein, dass ich mich 50 Stunden lang durch Final Fantasy spiele um dann zu sterben? Nichts mit freiem Willen, am Ende ist Zack tot. Wie kann man denn die Spielfigur sterben lassen? WIESO?
Theo meint, ich würde die Sache zu ernst nehmen. Im nächsten Teil gibt es einen neuen Helden und so weiter. Aber hat man als Spielentwickler nicht eine Verantwortung seinen Figuren gegenüber? Sogar Jason Bourne ist im dritten Teil nicht gestorben (okay, sie wollten sich die Möglichkeit lassen, einen vierten Teil zu erzählen).
Darüber sollte man in der Schule mal diskutieren. Ästhetische Erziehung, Kunst oder so. So was könnte ein Leistungsfach sein. Da würde ich mich sogar gerne prüfen lassen.
Aber über Computergames wird nur dann geredet, wenn einer in die Schule rennt und 16 Schüler erschießt. Warum? Das ist der Horror aber mir scheint, es hat mehr damit zu tun, dass sein Vater 14 (?) Waffen im Haus hatte. Mit einer virtuellen Waffe hätte er nämlich niemanden umbringen können. Außerdem erschießt man sich in Computergames selten selbst.
Irgendwie ist es unfassbar, dass jetzt diese Schüler und Lehrer tot sind, die vor ein paar Tagen noch gelebt haben. Vielleicht wollten sie morgens die Schule schwänzen oder waren krank und sind dann doch in die Schule gegangen. Und auf einmal ist praktisch nichts zwischen dem Leben und dem Tod. Es kann immer passieren.
Was mich auch beschäftigt ist dieser Spruch, den der Rektor über die Lautsprecheranlage raus gegeben hat. „Frau Koma ist unterwegs.“ Oder so ähnlich. Was ein Code war, falls jemand Amok läuft. Waren die wirklich darauf vorbereitet? Warum waren sie nicht wirklich, gut vorbereitet? Gibt es an unserer Schule auch Codes für Amokläufer? Was ist denn hier eigentlich los?
Und muss man jedem weinenden Schüler ein Mikro ins Gesicht halten? Das kommt mir krank vor. Jeder lechzt nach den Bildern und dann: Warum? Warum? Vielleicht genau deshalb, weil wir die Bilder sehen wollen. Wie diese beiden Amokläufer in Amerika, die sich schon ausgemalt haben, wie dann über ihren Amoklauf berichtet wird und was für Filme es darüber geben wird und dass sie dann die Helden der Story sind. Und genauso ist es: Jetzt kramt jeder wieder diese Story raus, und es wird noch mal haarklein über alle Amokläufe der Geschichte geredet. Und all das kommt mir wie eine Werbeveranstaltung vor.
Bauer hat das in seinem Altenheim überhaupt nichts davon mitbekommen. Ich erzähle ihm davon. Das musste einfach raus.
Er meint, dass die Alten auch Amoklaufen würden, wenn sie nicht mit Alzheimer und körperlichen Gebrechen und so weiter zu kämpfen hätten. Weil sie im Heim ständig bevormundet werden. Weil jemand so etwas tut, der sich machtlos fühlt. Ein armes Würstchen. Ein Loser.
Es tut gut, mit Bauer darüber zu reden. Es ist angenehm, dass er nicht so sensationsgeil vor dem Fernseher hockt und sich jeden Bericht über die Sache reintut. Stattdessen diskutiert er mit mir darüber. Danach ging es mir besser.

Nach dem Tod

Paul am 20. February 2009 um 3:39 pm

Wenn ich wüsste, dass ich nur noch 6 Monate zu leben habe, würde ich dann meinen Moped-Führerschein machen?
Würde ich noch zur Schule gehen?
Würde ich mich sofort in einen Zug setzen, und in der Gegend rumreisen?
Und was wäre, wenn ich noch ein Jahr zu Leben hätte??
Das einzige, was mir einfällt, hartnäckig einfällt, sich richtig in meinem Kopf einnistet, ist, das ich dann sofort versuchen würde, mit Feli zusammen zu kommen. Nein, nicht um vor dem Sterben wenigstens einmal richtig Sex gehabt zu haben - sehr witzig - sondern weil es zu zweit bestimmt leichter ist, auf den Tod zuzuleben.
Aber seit ich das gedacht habe, wird mir klar, dass 80 Jahre auch nicht gerade brüllerlang sind in einem Universum, das schon seit Millionen von Jahren existiert. Seitdem konzentriere ich mich darauf, es wirklich mit Feli hinzukriegen aber ich glaube, jetzt läuft sie vor mir weg. Jedesmal, wenn ich sie in der Schule sehe, weicht sie mir aus. Ich habe Theo gefragt, was sie hat, und er meinte: „Du hast sie ja auch ziemlich blöd behandelt.“
Hä?
Ich bin dann einfach zu ihrer WG gelaufen (so nach dem Motto, ich war gerade in der Gegend…), habe sogar geklingelt, aber sie war unterwegs. Dieser Blödmann von Mitbewohner hat nur gegrinst, als wäre ich der letzte Idiot. Also wenn Feli denkt, ich mache mich komplett zum Idioten, bloß damit sie wieder mal mit mir redet, dann kann sie es vergessen.Gestern habe ich den Nachmittag bei Bauer gesessen. Er war ziemlich verwirrt (Alzheimer?), da er am Wochenende von seiner Familie zu einer Familienfeier abgeholt wird. Ich glaube, er hat überhaupt keine Lust da hinzugehen. Aber die Familien denken immer, sie müssen ihre Angehörigen mal raus holen aus dem schrecklichen Altersheim. Ja, warum tun sie ihre Verwandten dann überhaupt da rein?In der Cafeteria habe ich Hans getroffen. Das war mein Plan, ich wollte ihn über Feli ausfragen, aber er hat seine Schwester selber schon lange nicht mehr gesehen. Ich habe ihn gefragt, was er nach dem Zivildienst machen will. Er hat keine Ahnung. Vielleicht studieren, vielleicht auch eine Schreinerlehre. Ich frage mich, ob er eine Freundin hat. Er sieht gut aus und ist ein netter Typ. Ich stelle mir vor, dass wir irgendwann selber totalt sind, und dann zusammen im Altenheim sitzen. Würden wir uns dann mehr erzählen? Ich meine, dann kommt es doch gar nicht mehr darauf an, ob man Geheimnisse hat oder was auch immer, wen interessiert das dann noch? Oder bleibt das gleich. Verteidigt man bis zum Ende seines Lebens seine Privatsphäre, um dann allein zu sterben? Und niemand weiß, wie man sich fühlt oder gefühlt hat. Ich wette, dafür gab es früher die Beichte. Dass man wenigstens einem Menschen auf der Welt alles erzählen konnte.
Und heute gibt es den Blog.
Moderne Beichte.
Okay - Amen.

TOD

Paul am 28. January 2009 um 9:34 pm

Jetzt ist es also passiert. Nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich wollte eigentlich nur Bauer im Altenheim besuchen, den habe ich schon so lange nicht mehr gesehen, dass sich mein schlechtes Gewissen wie ein Felsklotz auf mich gelegt hat. Das ist das Dumme mit guten Taten, wenn man einmal damit angefangen hat, dann kann man nicht mehr einfach damit aufhören. Oder nur ich kann es nicht, denn Max und Theo haben damit offenbar kein Problem. Aber eigentlich mag ich Bauer und würde ihn auch als Freund, nicht nur als alten Menschen, besuchen. Aber vielleicht bin ich auch ein lausiger Freund. Jedenfalls hat Feli so was gesagt und ich habe so eine Ahnung was sie meint. Manchmal bleibe ich einfach nicht dran. Das ist mir dann zuviel. Außerdem ist es nicht so einfach, wie Feli sich das denkt. Ich habe keine Lust, nur ihr Freund zu sein aber ich bin mir eben nicht sicher, ob das andere klappt.Okay, ja, ich habe Schiss.Ich sage mir gerne, dass es an der Scheidung meiner Eltern liegt, aber leider ist das kein Bonuspunkt mehr, seit Feli allein wohnt und ihre Eltern auch getrennt sind. Trotzdem, wenn sie mit einem der Typen aus ihrer WG zusammenkommt, dann kann ich nicht für mehr für gute Laune garantieren.
Das Geschenk von meinem Vater ist angekommen. Eine PSP. Erst dachte ich, was soll ich mit dem Kinderkram aber dann. Er hat mir Final Fantasy VII dazu gekauft und ich dachte wirklich, mit so etwas kann mich niemand mehr locken aber es ist so abgefahren… Ich hänge es nicht an die große Glocke aber ich bin voll drauf.Ich sammele täglich Materie, Feuer, Eis, kaufe Soma und Äther und meine besten Freunde heißen Angeal und Genesis. Die Animation ist der Hammer. Ich lebe in einer parallelen Welt. Allerdings bin ich etwas irritiert, dass ich so etwas von meinem Vater bekomme. Vielleicht hat seine neue Freundin ihm gesteckt, dass Bücher über die französische Revolution oder die Resitance für mich entbehrlich sind. Nicht, dass so etwas mich nicht auch, manchmal interessieren würde. Vielleicht sogar etwas mehr, wenn sie einem in der Schule nicht dauernd mit diesen Dingen belästigen würden. Ich fürchte, ich brauche nach der Schule ein Jahr um überhaupt wieder Lust auf Wissen zu haben. Er denkt, nein, er ist sich sicher, dass ich studiere. Ich will aber reisen, oder mehr Boldern oder sonst was machen. Ich kriege echt Panik bei dem Gedanken, dass mein Leben um ist und ich nur über irgendwelchen Arbeiten oder Texten oder Büchern gehockt habe. Wie mein Vater. Er ist Journalist aber er sitzt nur zu Hause rum.Außerdem ist das Leben kurz. Sehr kurz. Was mich an das erinnert, was ich eigentlich bloggen wollte.Ich habe einen Toten gesehen.Ich wollte Bauer besuchen und habe im Heim Hans, Felis Bruder, getroffen. Er schleppte mich in ein Zimmer und da lag der Typ. Tot. Irgendwie sah er gar nicht mehr wie ein Mensch aus. So ledrig und leer.„Er ist noch nicht zurecht gemacht,“ meinte Hans.Ich war etwas überfordert und dann geschockt, dass der alte Mann so allein in einer Abstellkammer lag. Wo sind die Angehörigen, wieso sitzen sie nicht an seiner Seite und – keine Ahnung – passen auf ihn auf?Als Hans merkte, dass mir übel wird, sind wir in die Cafeteria gegangen. Ich habe es nicht mehr geschafft, an dem Tag zu Bauer zu gehen. Hans wird mich entschuldigen. Und essen konnte ich auch nichts.
Der Mann sei gerade gestorben.
Also wenn ich sterbe, dann soll jemand an meiner Seite bleiben.Totenwache.
Ich will nicht so allein rum liegen. Auch wenn die Seele oder was auch immer schon weg ist.
Mann, das hat mich echt mitgenommen. Seit ich den Toten gesehen habe, fällt es mir noch schwerer, jeden Tag zur Schule zu gehen. Das ist Lebenszeit!
Ich habe einen Toten gesehen und ich merke, wie blöd es ist, vor irgendetwas Angst zu haben. Sich überhaupt Sorgen zu machen, über etwas zu ärgern. Am Ende liegt man in einer Abstellkammer und ist allein. Ich muss was aus meinem Leben machen.
Das ist absolut wichtig!
Ich will mehr erleben.
Ich sollte sofort damit anfangen.

Alles neu

Paul am 4. January 2009 um 9:07 pm

Wieso fasst man eigentlich im neuen Jahr Vorsätze? Dinge, die man (irgendwann) im neuen Jahr schaffen/erledigen will? Da müsste man doch schon hellhörig werden. Weil es garantiert Dinge sind, die man schon laaange vor sich herschiebt. Und auf die man auch im neuen Jahr keine Lust hat.
Die typischen Neujahrsziele.
Sich das Rauchen abzugewöhnen oder abzunehmen. (Meine Mutter will abnehmen, mein Vater will sich das Rauchen abgewöhnen).
Ich mache das anders. Ich beginne das Jahr mit einem Entschluss. Warum warte ich, bis ich diesen Spitznamen los bin? Ich werfe ihn einfach aus meinem Leben. Genau.
Mein Blog heißt ab jetzt PAUL.
Wenn jemand mich mit Porno anspricht, dann höre ich weg. Das ist kein Vorsatz, das ist ein Entschluss.Das Jahr wird gut. Auch ein Entschluss. Sylvester war zwar, na ja, eher das übliche – Rumstehen auf irgendeiner Party – aber das heißt nichts. Es war auch ganz okay. Max war total aufgedreht (bekommt er sein Ritalin schon??) und hat jedem, der es wissen wollte oder auch nicht die Vorräte an Spice gezeigt, die er sich noch zugelegt hat (er hat die Headshops der ganzen Stadt abgeklappert) weil es nächstes Jahr verboten werden soll. Die haben da wohl Marihuana oder was Ähnliches drin gefunden.Will er das Zeug jetzt neben dem Ritalin nehmen oder stattdessen? Werden seine Eltern sein Blut weiter kontrollieren?Werden sie etwas finden außer Zimt, Kräutern und Pestiziden?Oder will Max damit handeln. (Oder mit seinem Ritalin???)
Um 12 habe ich Theo umarmt und mir vorgestellt, es wäre ein Mädchen. Ja, eindeutig ein weiterer Tiefpunkt meines Liebeslebens… Dann haben wir eine Kiste voller Raketen und Chinaböllern in die Luft gejagt, das jedenfalls ging mit Theo besser als mir irgendeinem Mädchen. Immer das Positive sehen…Feli hat mir um kurz nach 12 eine sms geschickt, was mich dann wieder beruhigt hat (Wenigstens denken Mädchen an mich).
An Neujahr rief mein Vater an und erkundigte sich, ob mir mein Weihnachtsgeschenk gefallen hat. Es ist aber nicht angekommen weil die französische Post offenbar überlastet war. Ich vermutete, dass er zwanzig Bücher eingepackt hat und der erste Postbote, der das Packet in der Hand hatte, es gleich in eine staubige Ecke geworfen hat. Wer will sich schon zu Weihnachten mit soviel zusätzlichen Kilos belasten? Aber angeblich war es etwas Kleines (ich sehe sofort einen findigen Postboten vor mir, der das Packet von Apple erkennt und meinen i-pod abgreift) Aber er wollte allerdings nicht verraten, was es ist.Wir reden etwas über die Wahl in Amerika (ja, ich bin auch froh, dass Obama gewonnen hat, obwohl ich ehrlich gesagt nicht weiß, ob wirklich etwas besser wird…) und über die Feiertage. Er hat zuviel gegessen und will abnehmen.He, was ist mit dem Rauchen??
Er erzählt, dass er zugenommen hat, weil er mit dem Rauchen aufgehört hat. Ich sage: „Hey, ich glaube, das bedeutet Erwachsen zu werden. Man tauscht ständig ein Problem gegen ein neues ein.“ Er lacht – was selten vorkommt – und wird ganz sentimental weil wir getrennt sind. Ich spürte einen Kloß im Hals und finde, er sollte entweder herkommen oder das Thema nicht erwähnen.
Vermisse ich ihn etwa?

Winter

Paul am 7. December 2008 um 10:22 pm

Ich fasse nicht, wie lange ich nicht gebloggt habe. Das liegt alles an SCHULE. Wie immer vor dem (Schul)jahresende rasten die Lehrer aus. „Ich brauche noch Noten. Wie soll ich dich bewerten?“ Ich war eine Woche krank und muss lauter Arbeiten nachschreiben und neue Klausuren schreiben, es geht weiter und weiter, wer hat noch mal gesagt, die Vorweihnachtszeit wäre beschaulich? Friedlich? Besinnlich?
Und wieso kann man nicht eine Woche krank sein, ohne dass man alles nachholen muss? Ich könnte doch auch eine schreckliche chronische Krankheit haben. Tödlich.
Dabei fällt mir ein…
Bei Felis Wohnungseinweihungsparty habe ich mich mit einem ihrer Mitbewohner gestritten. Der Typ sah einfach zu gut aus, um ihn in Ruhe zu lassen. Eitel. Irgendwie kamen wir auf das Thema Tod und tödliche Krankheit.
Leukämie oder Krebs. Was man dann tun würde. Er fing an mit dieser saublöden und ausgelutschten Idee, dass er dann eine Liste machen würde, WAS er noch alles erleben müsste. (Und dann grübelt er doch tatsächlich herum, weil sein Leben ja jetzt schon so brillant sei, und gar nicht so viel übrig bliebe, dass er noch tun könnte.) Das kann ich gar nicht leiden, wenn man so tut, als ob man angesichts seines Todes, noch mal so richtig in Stimmung käme: „Noch mal den Sonnenaufgang sehen, guten Sex haben, mich mit meinen Eltern aussprechen… bla, bla.“
Nein.
So ist es bestimmt nicht.
Vielleicht habe ich mich auch etwas zu sehr aufgeregt, aber ich sehe das eben anders. Wie soll man das Leben genießen, wenn man bald stirbt? Das hört sich nur so schön romantisch an, was man alles tun würde, ja, na klar, aber warum soll einen denn das Leben dann überhaupt noch interessieren?
Jedenfalls hatten wir einen fetten Streit und Feli kam an und sah aus, als ob ich ihr einen Strich durch irgendeine Rechnung mache und ich wette, sie hat vor mit diesem eitlen Idioten zu gehen. Das hat meine Stimmung nicht gerade verbessert. Wie kann sie überhaupt mit jemanden zusammen wohnen, der Philosophie studiert und Kniestrümpfe trägt und jeden Satz mit „Ich möchte meinen…“ beginnt. Der Typ ist verrückt.
Der andere, mit dem sie zusammenwohnt ist wenigstens normal. Sehr normal. Um nicht zu sagen: Langweilig. Theo hat sich bestens mit ihm verstanden, er sagt, er mag Leute, die normal sind. (Ist er deshalb mit mir befreundet? Bin ich zu normal?)
Das Mädchen, das noch in der WG wohnt, ist die Freundin des Normalen aber ich wette sie bleiben nicht lange zusammen. Sie hat schon auf der Party die ganze Zeit beleidigt in der Ecke gestanden. Ich bin dann in die Küche verschwunden wo ein Wahnsinnsbuffett stand und ich wette, dass hat alles Feli gemacht. Sie ist so, hängt sich immer voll rein und mir wird klar, dass ich unbedingt das Zimmer dieser beleidigten Freundin ergattern muss, falls die auszieht. Der Plan begeisterte mich und ich gehe gleich zu ihr hin und frage, ob sie nicht bald einen Familie mit ihrem Freund gründen will (oder ohne ihn) und ich gebe zu, ich war betrunken und nicht sehr einfühlsam.
Sie: „Ich denke nicht, dass hier jemand Lust hat, mit einem Depressiven zusammen zu wohnen.“ Depressiv? Meinte sie mich? Was hat Feli denen eigentlich über mich erzählt?

Ich suche Max und wir trinken noch ein Bier im Flur. Wir sitzen an die Wand gelehnt, weil wir nicht mehr stehen können. Max erzählt mir, dass er zum Bluttest musste.
- Wegen Aids?
- Nee, wegen ADS.
- Hä?
Weil er ADS hat soll er Ritalin bekommen und daher mussten sie sehen, ob er Drogen im Blut hat oder was weiß ich.
- Und sie haben nichts gefunden?
- Nichts.
- Kein Aids?
- Woher denn.
Mich interessiert, ob Max schon Sex hatte (aber ich kann das nicht fragen, dann fragt er mich).
- Was ist ADS?
- Aufmerksamkeitsstörung.
Ich wette, seine Eltern wollten nur etwas finden, das für seine miesen Noten verantwortlich ist.
- Nimmst du das Zeug schon?
- Nee.
- Was würdest du machen, wenn du in einem Jahr sterben würdest?
- Hä?
Ich mag Max. Wir beide hassen den Philosophen, der sich mit seinen wichtigen, tiefen Gesprächen an Feli ranschmeißt.
Ich vergesse die Sache am besten.

Gestern, als ich meine Schuhe anziehen wollte, habe ich ein Marzipanbrot zerdrückt, das mir meine Mutter hineingelegt hat. Nikolaus. Plötzlich wird sie ganz sentimental. Ich habe schon ein paar Anläufe gemacht, mit ihr über mein Ausziehen zu sprechen, aber erst war ich krank und dann sie. Vielleicht spreche ich es besser nach Weihnachten an, weil dann die Stimmung wieder nüchterner wird.
Neues Jahr, neue Ideen. So in etwa.