„Gut für zwischendurch“

Posted by on Jul 17, 2014 in Über das Leben, Über das Schreiben | 8 Comments
„Gut für zwischendurch“

Um es gleich zu sagen: Ich liebe Rezensionen. Und Buchblogger. Ich verdanke vielen von Ihnen eine Menge. DANKE. Ich finde es großartig, wenn Leute sich aktiv und kreativ über Bücher Gedanken machen. Und es ist genial, dass Autoren auf diese Weise eine Rückmeldung von den Lesern bekommen. Ich lese auch gerne Rezensionen. Und zwar nicht nur die über meine eigenen Bücher. Allerdings – zugegeben – es müssen gute Rezensionen sein. Präziser gesagt: Gut geschriebene Rezensionen. Ob es 5 oder 1 Sterne-Rezensionen sind, ist mir nicht so wichtig, sie sollten nur gut formuliert, oder emotional mitreißend und aufrichtig sein. Die gut formulierten sind für mich als Worthandwerkerin natürlich eine reine Freude. Einer emotional mitreißenden Kritik verzeihe ich aber auch ungeschickte oder falsche Formulierungen, denn ich verstehe, dass nicht jeder, der etwas über Bücher schreibt, wie ein Schriftsteller schreiben kann. Aber Aufrichtigkeit verlange ich. Die meisten Autorenkollegen sagen: Ich lese keine meiner Kritiken, weder die guten noch die schlechten, das regt mich nur auf/ist alles falsch/verletzt mich. Das finde ich schade, denn aus Rezensionen können wir AutorInnen sehr viel lernen. Was gefällt dem Leser, was versteht er, was erkennt er? Wo ertappt er mich bei einer Unaufrichtigkeit oder findet einen Fehler? Warum sollte man sich diese Tipps wegen ein paar, nun, schlecht geschriebenen, oberflächlichen Kritiken entgehen lassen? Ich bin überzeugt, wenn mehr Autoren positives Feedback auf gut geschriebene Rezensionen gäben, würden es bald mehr von ihnen geben. Das könnte für beide Seiten ein Gewinn sein. Eine Rezension ist immerhin (auch) ein geschriebener Text und wer könnte den besser beurteilen als ein Autor? Aber zugegeben, die Sache hat einen Haken. Wie sieht das aus, wenn ich eine 5 Sterne Kritik verreiße? Vermutlich undankbar. Und wenn ich eine 1 Sterne Kritik kritisiere, wird jeder sagen, ich sei nur beleidigt. Wir Autoren sind hier etwas in der Klemme. Daher möchte ich meinen leidenschaftlichen Appell an, nun, bestimmte Buchkritiker richten: Wenn ihr euch wünscht, dass eure Rezensionen mehr von Autoren gelesen werden, dann schreibt bessere. Gebt nicht mehr Sterne, sondern schreibt einfach besser durchdachte, formulierte oder auch aufrichtigere Kritiken. Spart euch Wortbausteine und Worthülsen: „Der Hammer“. „Das beste Buch, das ich je gelesen habe“. „Gut für zwischendurch“. Gut für zwischendurch??? Aha, morgens wird Thomas Mann gelesen und abends Goethe und Schiller und zwischendurch … Echt jetzt? Sicher nicht. Niemand schreibt „für zwischendurch“. Egal, ob er einen leichten Liebesroman oder einen dramatischen Roman über Krebs und Tod verfasst. Wenn jemand ein Buch schreibt, dann nimmt er es immer wichtig. Daher, liebe Leser, nehmt eure Rezensionen genauso wichtig. Schreibt sie mit der Sorgfalt und Leidenschaft, die ihr auch von den Autoren erwartet. Und schreibt sie nicht zwischendurch, sondern in der Primetime eures Lebens. Dafür – vielen, vielen Dank.

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8 Comments

  1. Sabrina
    17. Juli 2014

    mmh ich weiss nicht ob meine nun gut oder schlecht sind, aber zwischendurch habe ich auch schon genutzt und meinte es auch so. für mich bedeutet es einfach das ich dieses buch schnell weglesen konnte ohne viel nachdenken, es eben zwischen uni und haushalt zwischen durch gelesen wurde. find da nichts verwerfliches dran. eher ein Kompliment das man das Buch einfach versteht, wie es geschrieben ist.

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    • Katrin
      17. Juli 2014

      Hi Sabrina,
      na, ich habe schon mit Kommentaren oder sogar empörten Kommentaren gerechnet, aber jetzt freue ich mich, dass überhaupt jemand was sagt. Also Du, danke! „Zwischendurch“, ich weiß natürlich wie es gemeint ist. Das ändert aber nichts daran, dass es verletztend für den Autor ist. Bücher werden nicht nur dadurch wertvoll oder wichtig, dass sie sich wichtig geben „Ho ho, lesst mein wichtiges Buch über Tod und Krebs und Trennung und Verlust etc“(gilt auch für Menschen :), sondern sie können ganz einfache Themen erzählen und sehr einfach erzählt sein und trotzdem sehr gut und empfindsam und einfühlsam sein (gilt auch für Menschen). Wenn man das bemerkt, wäre es schön, es auch so zu sagen. Zu loben. „Gut für zwischendurch“ klingt überheblich und herablassend. Nicht einfühlsam. Als gäbe es weit wichtigere Bücher. Und auch, als ob man Lücken in seinem Alltag mit Lesestoff füllen müsste, statt ein Buch ganz bewusst und aufmerksam zu lesen. So, wie es geschrieben wurde. Oder auch nicht – das gehört dann vielleicht in die Kritik …

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      • sabrina
        17. Juli 2014

        Ich glaub es kommt da auf die sichtweise des jenigen an. Der eine sieht zwischendurch als negatives, der andere als Positives.
        Ich finde aber wenn man die Rezi in ganzen ließt kamm man rauslesen was das zwischendurch sagen will.
        Bei manchen merkt man das es zb einfach heißt, Bücher ohne viel tiefsinn, nichts was fesselt. Andere meinen damit Bücher die man super lesen kann. In der heutigen zeit braucht man aber eben auch Bücher für zwischendurch. die Welt ist so hektisch geworden und ohne diese kleinen Leckerbissen zwischendurch wäre es schrecklich langweilig. Bücher mit tiefsinn (krebs usw) sind meist schwere kost, da denkt man auch nach den lesen noch viel nach auch während der lesepausen. das ist dann meiner meinung nach nichts für zwischendurch, weil es eben einfach viel viel mehr aufmerksamkeit braucht und einen auch nicht gleich losläst.

        Paul´s Blog zb fand ich ganz toll für zwischendurch. es entführt einen schnell und einfach in eine andere Welt, man kann kurzeit abschalten muss aber nicht viel mitdenken, ließt sich flüssig, hat nicht so viele Seiten. DAS macht für mich ein Zwischendurch-Buch aus.
        Alles was man so unter 2h durchlesen kann. Alles andere ist eben für längere zeit, man muss sich da viel mehr zeit rausnehmen (und Nächte um die Ohren schlagen :P ) So wie dein neues bei Oetinger ;), das war definitiv NICHTS für zwischendurch, es hat einfach so unheimlich gefesselt das alles drumherum vergessen wurde, auch der Schlaf und das essen XD)
        Ich glaub einfach man kann es nicht nur an einen Satz alleine ausmachen, was dieser aussagt, sondern muss das als ganzes sehen, den er kann durchaus Positiv gemeint sein ^^

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  2. Aletheia / Cristina Ferro
    23. Juli 2014

    Liebe Katrin!
    Ich gebe zu, ich habe noch kein Buch von dir gelesen und bin erst über die Red Bug Charity-Aktion auf dich gestoßen.
    Ich habe keine Ahnung, ob meine Rezensionen gut sind und ob die Autoren sie lesen.
    Meine Rezensionen schreibe ich aus Leidenschaft, weil es mir Spaß macht und ich so anderen Menschen Bücher näher bringen möchte, die mir gut gefallen.
    Mein schönstes Erlebnis dabei war, als eine Autorin sich persönlich dazu bei mir meldete und sich für die Rezi bedankt hat.
    So ein bisschen Feedback tut gut.
    Zu wissen, ob man zu viel über das Buch Preis gibt, ob die wichtigen Punkte angesprochen wurden etc. ist mir viel wert.
    Was mich nervt, sind kurze, nichtssagende Rezis ala „Das Buch war toll“.
    Damit kann ich nichts anfangen.
    Bei manchen Rezensionen bin ich auch skeptisch, wenn Bücher so sehr gehyped werden und sie mir dann gar nicht gefallen.
    Da frage ich mich dann, ob was mit mir nicht stimmt oder ob die anderen dafür bezahlt werden, dass sie so positiv schreiben.
    Einen richtigen Verriss (wenn man das so nennen kann) habe ich nur ein Mal geschrieben und es fiel mir furchtbar schwer, nicht zu viel vom Inhalt zu verraten und sachliche Kritik zu üben.

    Liebe Grüße, Aletheia

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    • Katrin
      23. Juli 2014

      Oh, hi Aletheia,
      yeaho, danke für den Kommentar. Ich glaube, es würde viel öfter vorkommen, dass Autoren zu Rezensionen Stellung nehmen, wenn wir uns alle mehr daran gewöhnen würden, über Bücher und Texte anders als mit diesem dummen Schulnoten/Sternchensystem zu kommunizieren. „Ich gebe vier Katzenpfötchen für dieses Buch …“ *arrgh* Wir sind doch (überwiegend) erwachsene Menschen und sollten anders miteinander reden. Tolle Worte für unserer Meinungen finden. Ja, klar, auch leidenschaftlich, das ist gut, das spürt man ja auch als Leser. Hej, stelle gerade fest, wir „reden“ gerade miteinander. Tut sich also vielleicht gerade etwas. Und jetzt besuche ich mal deinen Blog, denn ich habe das Gefühl, da finde ich gut geschriebene Rezensionen.:)

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  3. Aletheia / Cristina Ferro
    27. Juli 2014

    Auf meinem Blog wirst du keine Sternchen oder so etwas finden.
    Wie hat dir denn mein Blog gefallen?
    Was sagst du als Autorin zu meinen Rezensionen?
    Liebe Grüße, Aletheia

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    • Katrin
      27. Juli 2014

      Hi Aletheia,
      mir gefallen deine ausführlichen Rezensionen, man bekommt einen guten Eindruck von den gelesenen Büchern und – was ich noch viel wichtiger finde – auch einen von dir als Leserin. Ich mag auch, dass man auch noch andere Interessen aus deinem Leben auf dem Blog findet. Womit ich Schwierigkeitne habe, ist die Blognavigation. Das liegt vermutlich am Blog-Theme, das ich ändern würde. Ich denke, du hättest mehr Blogfollower, wenn man die rezensierten Bücher in einer guten Übersicht sofort finden würde. Man liest ein Buch ja nicht nach Verlag oder sucht danach, sondern nach Thema oder Genre. Irgendwie schade, wenn man da lange suchen muss :)

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  4. Aletheia / Cristina Ferro
    27. Juli 2014

    Vielen Dank für das Lob und die konstruktive Kritik!
    Ich bin mit html nicht so bewandert, leider.
    Dabei wünsche ich mir schon seit Längerem eine übersichtlichere Bloggestaltung mit Unterthemen.
    Mal sehen, ob ich in den Sommerferien etwas daran basteln kann.

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